Common‑Mode bei RS‑485

Bei RS‑485 hast du zwei Leitungen A und B. Der Empfänger interessiert sich nur für das Differenzsignal.

Grundidee

  • Differenzverstärker: Verstärkt die Differenz zweier Eingangssignale und unterdrückt Anteile, die an beiden Eingängen gleich sind.
  • Störunterdrückung: Störungen (z. B. eingekoppelte Brumm-/EMI-Signale), die auf beiden Leitungen ähnlich auftreten, werden weitgehend „wegsubtrahiert“.

Wichtige Begriffe (Glossar)

Signalarten

  • Differenzsignal (Nutzsignal)
    • Anteil, der zwischen den beiden Eingängen unterschiedlich ist.
    • Formal:
  • Gleichtaktsignal (Common-Mode)
    • Anteil, der auf beiden Eingängen gleich/ähnlich ist (typische eingekoppelte Störung).
    • Formal:

Verstärkungen

  • Differenzverstärkung (A_d)
    • Verstärkung für das Differenzsignal (V_d).
    • Ausgangsanteil: (V_{out,d} = A_d \cdot V_d)
  • Gleichtaktverstärkung (A_{cm})
    • (Unerwünschte) Verstärkung für den Gleichtaktanteil (V_{cm}).
    • Ausgangsanteil: (V_{out,cm} = A_{cm} \cdot V_{cm})

Kennzahl für Störunterdrückung

  • CMRR (Common-Mode Rejection Ratio / Gleichtaktunterdrückung)
    • Verhältnis, wie viel stärker der Verstärker Differenz- statt Gleichtaktsignal verstärkt.
  • In dB:

Merksatz:

Je höher CMRR, desto besser die Störunterdrückung.


Wie funktioniert die Unterdrückung praktisch?

„Subtraktion“ als Prinzip

  • Wenn eine Störung auf beiden Leitungen gleich ist:
    • (V_+ = V_{sig+} + V_{stör})
    • (V_- = V_{sig-} + V_{stör})
  • Dann wird beim Differenzbilden:
    • (V_d = (V_{sig+} + V_{stör}) - (V_{sig-} + V_{stör}) = V_{sig+} - V_{sig-})
  • Ergebnis: (V_{stör}) hebt sich idealerweise auf.

Realität: Warum bleibt manchmal doch Störung übrig?

  • Widerstands-/Impedanz-Mismatch (kleine Abweichungen reichen)
  • Endliche CMRR des Verstärkers (nicht unendlich)
  • Eingangsbiasströme / Offset (je nach Schaltung relevant)
  • Frequenzabhängigkeit: CMRR sinkt oft bei höheren Frequenzen
  • Unsymmetrische Verkabelung oder ungleiche Quellenimpedanzen

Typische Ursachen für Gleichtaktstörungen

  • EMI-Einkopplung (Motoren, Schaltregler, Umrichter, Funk)
  • Brumm durch Netzfelder (50/60 Hz)
  • Potentialunterschiede/Masseverschleppung (Ground Loops)
  • Kapazitive/induktive Kopplung in langen Leitungen

Praxisregeln (Checkliste)

Verkabelung / Layout

  • Symmetrische Führung (beide Leitungen gleich behandeln)
  • Verdrillte Adern (Twisted Pair) → gleiche Einkopplung auf beide Leiter
  • Schirmung (richtig aufgelegt, je nach Konzept einseitig/beidseitig)
  • Kurze Leitungen, kleine Schleifenflächen
  • Gute Masse-/Potentialführung (Grounding-Konzept)

Schaltungsauswahl

  • Instrumentenverstärker (In-Amp)
    • Speziell für hohe Eingangsimpedanz + hohe CMRR (oft besser als „einfacher“ Diff-Verstärker).
  • Widerstände präzise matchen
    • Für klassische Diff-Verstärker-Schaltungen sind enge Toleranzen entscheidend.

Spezifikationen, auf die man achtet

  • CMRR (bei relevanter Frequenz!)
  • Eingangs-Common-Mode-Bereich (darf nicht überschritten werden)
  • Eingangsimpedanz
  • Offset / Drift
  • Rauschen (v. a. bei kleinen Sensorsignalen)

Mini-Beispiel (Merkschema)

  • Nutzsignal ist differenziell: (+10\ \mathrm{mV}) auf (V_+), (-10\ \mathrm{mV}) auf (V_-) → (V_d = 20\ \mathrm{mV})
  • Störung ist gleich auf beiden: (+1\ \mathrm{V}) auf beiden → ideal: weg
  • Real bleibt ein Rest je nach CMRR und Mismatch.