DIN VDE 0701-0702 war (historisch) die zentrale Norm für die Sicherheitsprüfung elektrischer Geräte nach Reparatur/Änderung sowie für Wiederholungsprüfungen. In der Praxis geht es dabei um den Nachweis, dass Schutzmaßnahmen weiterhin wirksam sind (Schutz gegen elektrischen Schlag, Brandgefahr durch Fehlerströme, etc.).

Ein wichtiger Bestandteil (bei Schutzklasse I) ist die Messung des Schutzleiterwiderstands.

Wichtig / Einordnung

Die Inhalte werden heute typischerweise getrennt behandelt als:

In vielen Unterlagen und in der Ausbildung wird trotzdem noch „0701-0702“ als Sammelbegriff genutzt, weil die Prüfarten und Messungen sehr ähnlich sind. (Wikipedia ist als Einstieg ok, für Grenzwerte/Details im Zweifel immer den Normtext bzw. DGUV/Prüfanweisung heranziehen.) (Wikipedia 14.01.2026)

Prüfablauf

  1. Sichtprüfung
    • Gehäuse, Leitung, Stecker, Zugentlastung, Knickschutz, Sicherungen
    • Beschriftungen/Warnhinweise
  2. Messungen (je nach Schutzklasse/Messverfahren)
    • Schutzleiterwiderstand (SK I)
    • Isolationswiderstand oder Ersatzableitstrom (häufig praxisnah)
    • Berührungsstrom / Schutzleiterstrom (je nach Gerät)
  3. Funktionsprüfung
  4. Bewertung + Dokumentation
    • Messwerte, Grenzwerte, Ergebnis (bestanden/nicht bestanden), Datum, Prüfer, Prüfmittel

Grenzwerte

Hinweis

Konkrete Grenzwerte können je nach Gerätetyp, Messverfahren und angewendeter Teilnorm variieren. Unten sind die typischen Ausbildungs-/Praxiswerte, die oft abgefragt werden.

Schutzleiterwiderstand

Für Geräte mit Schutzkontakt-Stecker und Anschlussleitungen bis zu 5 m gilt typischerweise:

Bei längeren Anschlussleitungen

Für jede weiteren angefangenen Leitungslänge darf hinzugerechnet werden.

Formel (Merker) für den maximalen Schutzleiterwiderstand:

Dabei ist (L) die Gesamtlänge der Anschlussleitung.

Praktische Durchführung

  • Messung mit Prüfstrom mindestens (200,\mathrm{mA}) (häufig Prüfgeräte-Standard)
  • Messen zwischen Schutzkontakt (PE) am Stecker und berührbaren leitfähigen Teilen am Gerät
  • Ergebnis muss typischerweise erfüllen:

Isolationswiderstand (v. a. SK I & SK II)

  • Messung zwischen aktiven Teilen (L/N zusammen) und:
    • PE (SK I) bzw.
    • berührbaren leitfähigen Teilen / zugänglichen Teilen (SK II je nach Aufbau/Messmethode)

Merker aus der Ausbildung: Ein häufig genannter Mindestwert ist

Prüfungsfalle (aus deiner Frage)

ist kein allgemeiner Muss-Grenzwert der 0701/0702-Prüfung. Deshalb war in der MC-Frage eher der Berührungsstrom-Grenzwert die richtige Aussage.

Berührungsstrom

Bei Schutzklasse II (ohne PE) ist der Berührungsstrom eine der zentralen Bewertungen.

Typischer Grenzwert in Ausbildungsfragen:

Schutzklassen

Schutzklasse I (mit PE)

  • Schutz gegen elektrischen Schlag durch:
  • Prüf-Schwerpunkt:

Schutzklasse II (schutzisoliert, ohne PE)

  • Schutz durch doppelte/verstärkte Isolierung
  • Prüf-Schwerpunkt:
    • Isolationswiderstand (oder Ersatzmessung)
    • Berührungsstrom

Dokumentation

  • Gerätedaten (Typ, Seriennr., Schutzklasse)
  • Prüfanlass: Reparatur/Änderung (0701) oder Wiederholungsprüfung (0702)
  • Prüfer + Datum
  • Messwerte: (R_\mathrm{PE}), (R_\mathrm{iso}), (I_\mathrm{B}) (und Messverfahren!)
  • Ergebnis + ggf. Mängel / Maßnahmen